27. Juni 09 - JM
Peakbreak 7. Etappe
Wolfsberg - Weinebene - Osterwitz - Hebalm - Edelschrott - St. Bartholomä - Graz
Finale – Zusammenfassung des Wetters der vergangenen Tage
Da fährt man mit 70 kmh die Berge hinab, passiert unbeschrankte Bahnübergänge und befahrene Bundesstraßen, übersieht Schlaglöcher, umkreist abgestürzte Felsbrocken und trotzt den Gefahren die Wind und Regen so mit sich bringen und freut sich, wenn man heil, satt und zufrieden in sein Bettchen sinken kann, und bedenkt nicht der größten Gefahren des Lebens: den nächtlichen Toilettengang in täglich wechselnden Hotelzimmern. Ohne das Licht anmachen zu wollen trete ich meine Reise ins Ungewisse an. Ich taste mich an Stuhllehnen und Schranktüren entlang, stoße mich an Bettkanten, stolpere über Schuhe und Gepäckstücke, versuche in der fremden Dunkelheit mir bekannte Umrisse zu erkennen. Nicht immer ist mir gleich klar, in welche Richtung ich heute schon wieder gehen muss. Ich stolpere und poltere durchs Zimmer. Einmal kurz Licht angemacht wäre sicher weniger störend gewesen. Aber nun ist es zu spät. Mirko ist auch wach und begeistert von der Unruhe.
Einmal stolperte ich ähnlich unbeholfen aus dem Bett, suchte das Bad und freute mich, als ich es fand, da wo ich es gar nicht vermutete. Ich machte das Licht an und wunderte mich, dass da dieselben Dinge standen wie zu Hause – ich war wieder zu Hause. Peakbreak war vorbei.
Aber jetzt stand die letzte Etappe noch bevor.
Die ganze Nacht hatte es im Strömen geregnet. Immer wenn ich aufwachte hörte ich dieses Geräusch, welches mir zusätzlich unruhigen Schlaf bescherte. Ich wollte nicht mehr im Regen fahren. Über 3000 hm auf über 140 km im Regen, das bedeutete wenig Spaß.
Auch als ich am morgen erwachte goss es ununterbrochen. Ich stand trotzdem auf, zog die Vorhänge zur Seite und schaute in einen blauen Himmel. Vor unserem Fenster befanden sich ein kleiner Pool und ein Teich, wo pausenlos Wasser umgewälzt wurde. Ich atmete auf und war wieder glücklich.
Beim Frühstück mangelte es an Brötchen. Die erste Ladung war schon alle, als gerade mal die Hälfte der Gäste eingetroffen war. Die Chefin musste noch einmal zum Bäcker fahren. Als ich sah, mit welchen Vorräten sie zurück kam, hätte ich am liebsten gesagt: Fahren Sie lieber gleich noch einmal. Radfahrer sind Nahrungsmittelvernichter der ersten Kategorie. Es werden Zeiten kommen, da muss man bei der Buchung des Hotels sein Hobby angeben. Radfahren bedeutet dann eben Aufpreis. Auf jeden Fall wurden am Ende aber alle satt.
Wir packten ein letztes Mal unsere Taschen und fuhren zum Start. Alex musste noch einmal ein Laufrad tauschen. Nur gut, dass wir von allem reichlich dabei hatten. Es ist schon ärgerlich, wenn man Dank fehlenden Ersatzmaterials nicht bis zum Ende fahren kann.
Zur letzten Etappe hatten wir uns noch einmal unsere neue Schlangenhaut übergestreift. Wir wollten in Graz ankommen wie wir vor einer Woche dort losgefahren waren. Schnell noch ein Gruppenfoto und schon ging es los. Die Weinebene wartete auf uns. Wein hatte ich am Vorabend, hier in der Ebene, jetzt ging es steil bergan. Meine Herren, das war kein langweiliger Berg. Judith drehte gleichmäßig ihre Kurbel, ich führte hier und da noch ein Gespräch, oder vielmehr Monologe. Ich denke, mich beruhigt es immer, wenn ich noch sprechen kann. Außerdem quatscht mir in den Anstiegen keiner dazwischen.
Dann beschäftigen mich die Zahlen. Stets muss ich wissen, was noch vor mir liegt, bis ich mich wieder erholen kann. Ich hatte mir vorher eingeprägt, nach wie viel km und hm das nächste Zwischenziel erreicht ist. Davon zog ich die bereits erledigten Einheiten ab. Je kleiner das Eine und je größer das Andere wurde, umso schneller konnte ich fahren. Das ist genauso wenn ein großer Berg Bügelwäsche vor einem liegt. Bügelt man immer alles sofort, ist es eigentlich keine Arbeit. Wartet man, bis es sich „lohnt“, will man es gar nicht erst machen, weil es wohl recht lange dauern wird. Hat man dann doch begonnen, will es erst kein Ende nehmen. Hat man dann das Meiste geschafft, gleitet das Bügeleisen bei den letzten Teilen fast von alleine übers Brett. Ehrlich, ich fahre dann doch lieber Berge hoch und rechne dabei vor mich hin. Für meinet wegen kann es dabei auch regnen, allemal besser als Hausarbeit.
Zurück zur Weinebene. Nach dem zünftigen Anstieg rollte es sich locker über die Wellen auf dem Plateau. Hier gefiel es mir, nur Wein sah ich keinen. Kurz vor der Passhöhe erreichte ich wieder Judiths Hinterrad. Wir nahmen die letzten Meter gemeinsam in Angriff. Esel und Kühe, wunderschöne Fernsichten und gutes Wetter machten es uns leicht.
Auf der Passhöhe füllten wir unsere Flaschen auf. Brunnis Bruder und ein Freund warteten schon mit Kamera und Fotoapparat auf uns. Witzig, was die alles wissen wollten.
Radcore-Phillip hatte uns eingeholt und sauste mit uns hinab ins Tal. Das war wieder eine von den Abfahrten die ich richtig mag, wenig lenken, viel treten. Der Tulwitzer Begleitwagen verpixelte alles für die Nachwelt.
Ein Streckenposten bremste uns aus, damit wir nicht die Einfahrt in die wildromantische kleine Straße verpassten. Weiter hinab, nun aber vorsichtiger, denn Moos machte sich auf den Wegen breit, wo unter dichten Bäumen wohl nie ein Sonnenstrahl hingelangte.
Phillip war mutiger. Am nächsten Anstieg begrüßte uns nicht mehr klagend ein sehr müder Frosch. Im falschen Moment am falschen Ort, nannte man das wohl.
Wunderschön war es hier. Auf dem steilen Wiesenweg nach Osterwitz hinauf hatte Raffi die Namen der Peakbreaker gesprayt. Ich war wieder mal gerührt. Kurz Hinab und schon kam der nächste Anstieg. Der Berg hatte mehr Höhenmeter parat als wir erwartet hatten. Phillip wurde wieder eingerollt und am Straßenrand wartete Romed vom Radcore-Team, dem wir dessen baldiges Erscheinen ankündigen konnten.
Von hinten kam Uwe herangeeilt. Eben hatte er am Straßenrand noch seine Kettenglieder sortiert, zwischendurch bei der Aufholjagd der LeXXi-Chicks seine Flaschen dem Frosch geopfert – zu spät, das half dem jetzt auch nicht mehr. Dafür errettete ich ihn dann vorm Verdurstungstod. Ich kann nicht zuschauen, wenn erhitzte Herren vom Rad fallen. Außerdem hatte ich dann weniger den Berg hinauf zu hieven. Statt sich pausenlos zu bedanken, empfahl ich ihm Tiefenatmung.
Die größten Brocken waren nun geschafft und knapp die Hälfte der Kilometer hinter uns, als ein gründlicher Regen einsetzte. Uns wurde ganz schön kalt in der Abfahrt. Im Tal schien dann aber wieder die Sonne und trocknete uns in guter Zusammenarbeit mit dem Fahrtwind. Kleine giftige Anstiege verhinderten gefährliche Abkühlung und wiederkehrender Regen ließ uns die vergangenen Tage Revue passieren. Am Straßenrand winkten uns noch einmal 2 gestrandete Peakbreaker vorbei, in einem Dörfchen beglückwünschten wir im Vorbeifahren ein Brautpaar, das Ziel nahte. Jetzt nicht leichtsinnig werden, heil ankommen.
Ich durfte die Frau mit der besten Gesamtzeit ins Ziel eskortieren. Gleich hatten wir es geschafft. Auf den letzten Kilometern durch Graz hieß es noch einmal gut aufpassen. Hier lauerten mehr Gefahren als auf den über 900 km der vergangenen Woche. Innerstädtischer Verkehr bei strömendem Regen ist echt nicht entspannend.
Zeitgleich durchquerten wir Hand in Hand den Zielbogen der Peakbreak 2009 und fielen uns in die Arme.
Markus beglückwünschte uns als Erster und schon stand Raffi mit seinem Mikro parat. Die Tulwitzer Presse konnte letzte Dokumentation betreiben. Wir mussten aber ins Hotel, zu unseren LeXXi-Jungs. Wir wollten wissen wie es denen ergangen war und endlich aus unseren nassen und dreckigen Schlangenhäuten. Markus bahnte uns mit dem Teamwagen den Weg. Bei einer Straßenbahngleisüberquerung hätte es mich fast geschmissen – aber nach so vielen Kilometern in einer Woche muss man standhaft bleiben.
Im Hotel mussten wir unsere Herren erstmal suchen. Das nächste Mal bitte einen Empfang mit Champus, klar!!
Arne hatte leider einen Sturz, konnte aber weiter fahren. In Graz fuhr er noch eine Ehrenrunde, dummerweise vor dem Zieleinlauf und verpasste somit einen Treppchenplatz.
Nach dem Austausch unserer Erlebnisse, brachen wir frisch und fröhlich zur Abschlußparty mit Siegerehrung auf.
Das Radcore-Team aus Wien konnte seinen Heimvorteil nicht nutzen und das LeXXi-4erTeam machte sich auf dem obersten Podestplatz breit.
Nur ein Drittel der Teilnehmer war komplett durchgefahren, wobei weder bei Radecore noch bei LeXXi, Ausfälle zu beklagen waren. Gute Quote.
Als Judith vor ein paar Monaten verkündete: Wir fahren zur Peakbreak und gewinnen, habe ich gedacht sie spinnt. Sie hatte recht.
Danke Judith.
Danke Mirko, dass Du meine Spinnereinen erträgst.
Danke Brunni, für die super Orga, Alex für konsequente Durchführung des Projekts,
Markus für alle Instandhaltungsarbeiten und sämtliche Hilfe, die das Leben in dieser Woche sehr angenehm machten.
Danke an Horst, der uns den Teamwagen stellte,
Danke an Martin und Arne, die immer entspannt und gut gelaunt waren.
Danke Team!
Es braucht ein paar Tage, bis alle miteinander schwingen, aber dann ist auch alles gut!
Maggie
LeXXi TeamTrikot24.de
Ergebnisse
148km 3.400hm
Platz | Name | Team | Zeit | Rückstand |
1. | Reini Woitseschläger | Saalbach-Hinterglemm | 4.41.42 | |
2. | Florian Bosch | Team Suunto | 4.45.54 | +0.04.11 |
3. | Günter Höllige | Team Strassacker | 4.45.54 | +0.04.11 |
... | ||||
1. | TEAMWERTUNG | LeXXi Chicks feat. Vulkanbike.de | 12.45.14 | |
1. | Judith Bauer | LeXXi Chicks feat. Vulkanbike.de | 6.22.37 | |
1. | Maggie Gerhardt | LeXXi Chicks feat. Vulkanbike.de | 6.22.37 | |
. | ||||
1. | TEAMWERTUNG | LeXXi TeamTrikot24.de | 20.41.37 | |
4. | Arne Mill | LeXXi TeamTrikot24.de | 4.58.41 | +0.16.58 |
5. | Alexander Bauer | LeXXi TeamTrikot24.de | 5.02.33 | +0.20.50 |
19. | Thomas Brunnegger | LeXXi TeamTrikot24.de | 5.20.11 | +0.38.28 |
18. | Martin Schulz | LeXXi TeamTrikot24.de | 5.20.10 | +0.38.27 |
Ergebnisse auf www.peakbreak.com
PDF Gesamtwertung Endstand nach 7. Etappe
Von Wolfsberg geht es 13km auf die Weinebene. In der Abfahrt links ab und steil 5 km rauf nach Osterwitz. Nach der Abfahrt noch mal 12 km rauf auf die Hebalm, das war der letzte richtige Berg der peakbreak 2009.
Durch das Kainachtal führt die Strecke in Richtung Heiligen Wasser. Ein letztes Mal geht es hier über eine schmale Straße bei bis zu 18% auf rund 1.000m Seehöhe. Die Abfahrt führt durchden Almgraben in Richtung Geistthal in eines der legendärsten Trainingsreviere rund um Graz (die "Geistthal-Runde"). Zwei kurze Rampen mit je etwa 100 Höhenmetern trennen Dich hier nur noch vom Ziel beim Schloss Eggenberg in Graz. Am Abend gibt´s hier direkt beim Schloss dann auch die Finisherparty und die Siegerehrungen.
Startzeit: 9:00 Uhr / Zielschluss: 16:00 Uhr
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