04. Februar 10 - RR
Lanzarote – Eine Woche Sonnenasyl
Lanzarote – Eine Woche Sonnenasyl – Vorbereitung und Anreise
Nennt es Flucht, ist mir egal, ich kann dem Winter in diesem Jahr nichts abgewinnen.
Klar sieht alles schön aus, wenn ein weißes Mäntelchen sich über den Alltagsdreck legt und es ist ja auch Winter und da gehört das so. Meine Gedanken waren aber längst woanders. Ich träumte von schönen langen Rennradtouren, die Sonne im Nacken, wohlig warm in kurz-kurz.
Doch davon sind wir im Moment weit entfernt. Nicht einmal für Skiurlaub, der mir sonst große Freude bereitete, konnte man mich erwärmen. Wärmende Sonne, das war es was mir jetzt fehlte. Und Mirko ging es nicht anders. Ein Fall für die Insel.
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Ich durchsuchte das Internet nach einem kompetenten Radverleih. Egal wo, Hauptsache Sonne, Warm, kein Regen und ein Rad zur Verfügung. Auf Rad zerlegen und verpacken, hoffen, dass alles heil ankommt, wieder zusammenbasteln, und das ganz Spielchen für den Heimflug noch einmal, danach war mir schon gar nicht. Urlaub wie normale Menschen, das war es, was wir jetzt brauchten. Locker flockig mit einer Reisetasche zum Flughafen fahren und sich um nichts weiter kümmern müssen – wann war das das letzte Mal? Ich Erinnere mich nicht mehr. So wurde Google nach Radverleihen in Kombination mit schönem Wetter und nicht so ewig weit weg bemüht und fand so allerhand. Aber Malle – zu kalt, Zypern – Infos zu spärlich, Sizilien – schon besser, aber Flüge zu teuer und überhaupt, geht’s nicht etwas wärmer? Gran Canaria – irgendwas Negatives drüber im Ohr, Teneriffa – wohl zu bergig für die Jahreszeit, Fuerteventura – keine Meinung zu, Lanzarote – ja, Lanzarote, da fand ich sofort einen Radverleih der das anbot was wir brauchten, die Insel kannten wir von einem früherem Urlaub, als wir noch nicht wussten, dass es Rennräder gibt und stuften sie nach topografischen Gegebenheiten für Wintertrainingstauglich ein. Auch die Temperaturen passten perfekt in unsere Winterfluchtträume und überhaupt glaubte ich gefunden zu haben, wonach wir lechzten.
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Auf der Internetseite des Radverleihs „PlanetBikes“ fand ich alles was wir brauchten und konnte so bequem aus dem sicheren warmen Wohnzimmer heraus die Lage peilen. Die Seite gut verlinkt um direkt die Flüge zu buchen und eine passende Unterkunft zu finden. So stelle ich mir das vor, Vorbereitungsphase einfach.
http://www.planet-bikes.de/
Ich kontaktierte „PlanetBikes“ auf Lanzarote. Ein gewisser Roland Eistert beantwortete meine Anfrage, ich schickte ihm unsere Raddaten, hatte noch die eine und andere Frage zur Lage der Unterkunft und Allgemeines und so nahm alles seinen Lauf. Am Heilig Abend machten wir die Sache wasserdicht und schenkten und somit unser schönstes Weihnachtsgeschenk. Noch 4 Wochen bis zum Abflugtag, lange Wochen. Der Schnee ging mir immer mehr an die Substanz. Jede Fahrt zur Arbeit eine Qual und gefährlich obendrein. Die Radwege nicht geräumt, überall Glasscherben noch vom Silvestertag und viel zu kalt und überhaupt. Jeder abgehakte Tag ein Schritt Richtung Sonne.
Und dann war es endlich soweit, am 24.Januar um 7:35 landete das Flugzeug auf der Vulkaninsel. Es war noch dunkel und wir waren müde, aber es war schon 15°C wärmer als vor wenigen Stunden auf dem Weg zum Kölner Flughafen.
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Wir checkten in unseren Bungalow ein und erkundeten in der Morgensonne die unmittelbare Umgebung. Davon würden wir, sobald uns Roland vom Radverleih unsere Räder zum Hotel gebracht hatte, sicher nicht mehr viel zu Gesicht bekommen. Wir deckten uns mit Wasser ein und erfreuten uns an der steigenden Temperatur und den weniger werdenden Wolken.
Um 10:30 Uhr war es dann soweit. Ein weißer Kastenwagen bog um die Ecke und Roland stand vor uns. Er packte unsere Renngefährten für die kommenden 7 Tage aus, montierte noch schnell unsere Pedale und versorgte uns neben der Hardware auch noch mit den nötigen Infos, die unseren Inselaufenthalt sorgen- und pannenfrei werden lassen sollten.
Müde nach der schlaflosen Nacht kurbelten wir nur eine kleine Runde zum eingewöhnen, schmiedeten in der Sonne sitzend Tourenpläne für die nächsten Tage und waren glücklich und zufrieden. Nun mussten wir nicht mehr von der Sonne träumen.
Das Inseldasein
Nach 10 Stunden Schlaf konnte es am zweiten Urlaubstag auf Lanzarote nun losgehen.
Das Ziel: kein Tag unter 5 Stunden, keinen Tag unter 100 km Radfahren.
Gesamtziel: 700 Radkilometer. Da wir am ersten Tag nur 28 km gefahren waren, galt es nun diesen Tag an den verbleibenden 6 Radtagen zu kompensieren.
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Für Nichtradler hört sich das vielleicht viel an, für mich war es nichts Besonderes. Mirko rollte noch einmal kurz mit den Augen und stöhnte vorsorglich, doch die Nummer kenne ich nun schon, die zieht nicht mehr. Er war fester Bestandteil meines Vorhabens und ich setzte sein Einverständnis voraus. Was blieb ihm auch anderes übrig? Ich war mir sicher, dass er jeden Meter gern fuhr. Bis auf ein paar wenige Ausnahmen, die ich sogar benennen könnte: Gegenwind-bergauf-Passagen auf groben Asphalt – ich kenne auch Schöneres. Wind und Berge machten es nicht gerade leicht mal eben über 100 km zu fahren. Aber das gehört auf der Sonneninsel dazu und schnell waren die kleinen Leiden vergessen, denn jedes erkämpfte Zwischenziel belohnte uns mit einer grandiosen Aussicht über die Insel.
Vulkane, aufwendig angelegte Weinanbaugebiete, Sandstrände und bizarre Lavalandschaften, Blicke zu den Nachbarinseln, das Meer, die Wolken und Sonne, ja Sonne und sie schien nicht nur so vom Himmel, nein, sie schien in unsere Herzen und wärmte nicht nur die Haut.
Januar, das mussten wir uns immer wieder bewusst machen, Januar und wir konnten kurz-kurz fahren und mussten nicht die nächstbeste Tankstelle zum Aufwärmen aufsuchen, sondern bekamen Erfrischungen unter freiem Himmel in der Sonne sitzend serviert. Da freute ich mich sogar über Insekten. Januar, und daheim schneite es. Wir sind dankbar, dass wir solch ein Leben führen können, wo man nicht erfriert, weil es kalt ist, sondern sich in ein Flugzeug setzen kann und dorthin fliegt, wo es warm ist. So warm, wie es einem gerade recht ist.
Jeden Tag nahmen wir einen bestimmten Inselteil ins Visier. Die Hauptstraßen mieden wir.
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Allerdings war selbst auf denen weniger Verkehr als zu Hause. Da es jedoch ruhigere Straßen gab, nutzten wir ausschließlich diese.
Eine Hürde war gleich zu Beginn jeder Tour zu nehmen hinaus aus Puerto del Carmen, hinauf nach La Asomada, Tias oder St.Bartolomé. Wenn man oben war, war das Schlimmste überstanden. Dann entdeckten wir die in der Landkarte nicht eingezeichnete Möglichkeit am Meer entlang 12 km bis in die Hauptstadt Arrecife zu radeln, flach. Na wunderbar, hier konnte man zum Tourende nach einer rasanten Talfahrt noch locker ausrollen. Auch am Morgen nutzten wir nun gern einen Teil dieser Strecke zum einrollen und erklommen die Hügelkette, welche uns vom Rest der Insel trennte über Playa Honda direkt nach St.Bartolomé. Von Tag zu Tag war es leichter, was allerdings auch am abnehmenden Wind lag.
Wir fuhren in den Südwesten der Insel bis Playa Blanca, in den Nordosten bis Mirador del Rio und dazwischen sowieso. So klein die Insel auch ist, trotzdem sieht es hinter jedem Vulkan anders aus. Wir wollten alles sehen. Und wenn man fertig ist, und überall war, dann kann man ja die ganzen Touren noch einmal anders herum fahren, denn da sieht alles wieder anders aus. Aber soweit war es ja noch nicht. Wir fuhren in kleine Sträßchen, egal wohin sie führten, kraxelten steile Stiche hinauf, die je endeten, egal, wir hatten Urlaub und Zeit.
Warmer Regen ist besser als kalter Schnee
Am 4.Tag regnete es immer wieder mal. Ich hatte keine Lust im Regen zu fahren und vergrub mich in mein Buch, Radsportlektüre, das sollte reichen. Dann eben keine 5 Stunden und keine 100 km am Tag. Regeln, die ich mir selbst aufgestellt habe, kann ich auch selbst wieder revidieren.
Doch da stand Mirko in Radsportvollmontur vor mir. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich trödelte noch ein bisschen rum, es regnete, es regnete nicht, es regnete, es regnete nicht. Und in einer dieser Regenpausen sind wir dann am frühen Nachmittag wirklich noch aufgebrochen. Eine Stunde wenigstens. Der schwache Regen war gar nicht schlimm und hörte sogar auf. Auf dem Bergkamm angekommen konnten wir im Norden der Insel blauen Himmel entdecken und so waren am Ende dann doch noch 3 Stunden auf der Uhr. Mein Gehirn bekann zu rattern, die 700 km waren noch nicht abgeschrieben. Aber das sagte ich mal lieber nicht laut.
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Der Regen-Ruhetag tat uns gut und so starteten wir am nächsten Morgen noch ausgeruhter als ohnehin schon etwas früher. Wir waren mit Uwe verabredet und düsten den Berg hinauf zum Treffpunkt. Witzigerweise deckte sich Uwes Tourvorschlag genau mit unserem. Das Wetter war sagenhaft gut und unsere Laune noch besser. Ein Teil der Route führte uns über die Lanzarote Ironman-Strecke. Eigentlich jeden Tag, denn die Teilnehmer dieser Veranstaltung müssen wirklich die Insel vermessen. Da haben 180 km ganz andere Qualitäten. Meinen Respekt haben die Damen und Herren auf jeden Fall, denn nicht nur der eine oder andere Anstieg ist zu bezwingen, sondern auch noch völlig Schattenfrei mit dem einen oder anderem Lüftchen zu meistern. Und da war doch vorher und hinterher noch eine winzige Kleinigkeit - etwas schwimmen und bisschen laufen. Nee, wir machten lieber eine wohlverdiente Mittagpause an der Küste von El Golfo, ein Traum.
Und weil wir nun so ausgeruht und wohlgenährt waren, wurden wir übermütig und fuhren noch eine Schleife über Playa Blanca und über Femés wieder in unsere Urlaubsdomizile. Femés, das ist ein niedliches Dörfchen mit schöner Aussicht über den Südwestlichen Inselteil. Um diesen zu erreichen ging es von Playa Blanca kontinuierlich bergan, nichts Spektakuläres. Doch der letzte Kilometer forderte die Winterform mit aller Kraft heraus, denn hier lauerten noch einmal 125 Höhenmeter. Im Café mit Aussicht beobachteten die Autotouristen unsere Anstrengungen und freuten sich bewundernd mit uns.
Ich konnte Mirko noch zu einem kleinen Umweg nach Hause bewegen und so konnten die gestern zum hunderter fehlenden Kilometer wieder reingeholt werden. Gerade als Bernd von PlanetBikes den Laden dicht machen wollte, schafften wir es noch in letzter Minute ein letztes Mal zur Standluftpumpe, um für die abschließende Tour optimal gerüstet zu sein. Bernd gefiel unser Reptilienlook ausgesprochen gut und auf die Insel passten wir damit sowieso hervorragend.
Finale
Am letzten Morgen checkte ich die Windrichtung und suchte die Strecke so aus, dass uns Gegenwind nicht die Anstiege noch schwerer machte. Wir kannten nun viele gute Straßen und die besten davon wollten wir noch einmal fahren. Wir arbeiteten uns den Berg hinauf und sausten dann von St.Bartolomé Richtung Teguise. Zwischendurch schnell noch eine „Kaffeepause“. Dabei sollte man natürlich daran denken, dass der ohnehin nur spärlich bewachsene Straßenrand nach langer Zeit mit wenig Regen nur dürres Buschwerk und ein paar Kakteen bietet – So konnte ich der Natur zwar etwas nachhelfen und auch Platz für neuen Kaffee schaffen, handelte mir aber ein paar unschöne lange Kratzer an den Beinen ein. Nun denn, letzter Tag, ab morgen wieder lange Hosen, dann sieht es eh keiner. Schade eigentlich, wo doch so schöne Abrisskanten entstanden sind.
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Nun ging es ans Meer, in den Norden der Insel nach Playa de Famara, wo sich bei stärkeren Winden die coolen Surfen tummelten. Heute waren noch nicht so viele da. Entweder war es noch zu früh am Tag, oder die Wellen waren nicht hoch genug.
Diese Straße dorthin war auf jeden Fall einfach super genial. Am Ende bremste uns der Gegenwind etwas aus, aber das war ok, 10 km auf glattem Asphalt, leicht bergab und fast schnurgerade, für mich Entspannung pur. In La Caleta sammelte sich die Surfergemeinde. Wir fuhren durch das Örtchen mit vielen kleinen Cafés und verließen es Richtung Sóo, dann hinauf nach Tiagua, nach Tinajo und nun aus dem Norden in den Südwesten. Wie sagte Uwe gestern, „über die schönste Straße der Welt“, durch die schwarze Lavalandschaft, vorbei am Vulkan Timanfaya, vorbei an Kamelen, oder waren es Lamas? Keine Ahnung, auf jeden Fall über Yaiza nach El Golfo zum Mittagessen. Dort gastierten wir dieses Ma(h)l in einem sonnenverwöhnten ruhigen Restaurant in 2.Reihe, die sollten schließlich auch was verdienen, nicht nur die am Meer. Hier wurde uns fast, wie sagt man schön, der Arsch hinterher getragen. Unsere Mieträder, welche wir behandelten wie die Eigenen und welche uns übrigens pannenfrei und sorglos eine Woche getragen haben, wurden vom Oberkellner parktechnisch eingewiesen. Die Fische, welche wir uns gegrillt bestellten, konnten wir vor dem Essen noch bestaunen, tot waren sie aber dann doch schon. Diese wunderbare Mittagspause hatte zwar auch ihren Preis, aber für das gleiche Geld hätte zu Hause nur einer von uns gut gegessen und die Sonne wäre auch nicht dabei gewesen. Das Leben ist einfach wunderbar. Wir beschlossen das Festmahl noch mit einem Likörchen und durften uns nun wieder von 5 m über NN nach oben kurbeln. Mirko, der wohl meine Gedanken erahnen konnte, sagte nur: „Nein, nicht über Femés“, und ich muss zugeben, ich war froh über seine Verweigerung. Ich rechnete ihm allerdings vor, wie viele Kilometer nun noch fehlten um die 700 km doch noch zu erreichen und hatte seinen Kampfgeist geweckt.
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So schnell wird ein Vorhaben nicht aufgegeben. So fuhren wir durch das Weinanbaugebiet über Yaiza bis St.Bartomlomé, wendeten und sausten die schöne Straße, welche an diesem Tag besondern wenig befahren war, noch einmal zurück und dann über La Asomada hinab ans Meer in Puerto del Carmen. Nun mussten wir die Räder wieder abgeben und unsere Taschen packen, der Rückflug war gebucht. Aber eines ist sicher, wir kommen noch einmal, denn es gibt da noch ein paar Straßen, die sind wir noch nicht gefahren sind und das ganze Rückwärts wartet auch noch.
Fazit:
31:45 Stunden im Sattel gesessen, davon eine Stunde bei leichtem Regen und 15°
709 windige km gefahren
ca.9000 hm dabei überwunden
Durchschnittstemperatur: 19°, max. 30°C, min 13°C
Maggie:
Durchschnittspuls 110, maximal 164
59 Stunden geschlafen
2 Bücher gelesen
Kein Gramm abgenommen – woran das nur wieder gelegen hat?
In der Nebensaison sind die Straßen recht leer. Anhalten und Ausklicken muss man auf der Ampelarmen und Kreiselreichen Insel nur äußerst selten.
Die Bergamont-Räder mit Ultegra-Kompakt von PlanetBikes hat Roland sofort gut eingestellt und keine einzige Panne suchte uns heim. Wir werden sicher nicht das letzte Mal vor Roland und Bernd gestanden haben. Jetzt wissen wir ja, wie wir diesen versteckten Laden in Puerto del Carmen finden.
Aus dem Flugzeug betrachtet sah die weiße Schneedecke über Deutschland ja allerliebst aus, aber ich bin froh, wenn sie weg ist.
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Kaum zu Hause angekommen, saß ich vor dem PC und checkte Flüge und Unterkünfte für den nächsten Inselurlaub. Der Winter wird doch irgendwie zu hintergehen sein.
Maggie und Mirko
LeXXi TeamTrikot24.de
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